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Mittwoch, 30. März 2011

Kind und Hund - Sozialisierung und Erziehung auf beiden Seiten

In der letzten Zeit habe ich mir häufiger über das Thema "Kind und Hund" Gedanken gemacht. Viele interessante Kommentare sind dazu von allen Blogbesuchern abgegeben worden (die ich leider wegen meines Umzugs zu blogger.de nicht alle in chronologischer Reihenfolge mitnehmen konnte - aber ich hab's versucht!).
 Besonders bedeutsam fanden die meisten Leser zwei Bereiche, dieses Themas, nämlich zum Einen die Unfälle in Kinder/Hund-Beziehungen
   
und zum Anderen die positiven Auswirkungen der Hundehaltung.
In meinem heutigen Blogbeitrag möchte ich zum ersten Teil  das Gesagte zusammentragen:

Was die "Unfälle" der Kind/Hund-Beziehung angeht, so war aus der Fülle der Informationen und der Vielzahl der Kommentare, die ja vor allem auch aus persönlichen Erfahrungen herrühren, war ganz klar herauszulesen:

1. Das Problem liegt nicht nur auf einer Seite!
Sowohl Kinder, als auch Hunde können gleichermaßen Auslöser von Unfällen sein , aber auch Opfer (das Wort "Schuld" habe ich absichtlich nicht gewählt, weil weder ein jüngeres Kind, noch ein Hund hauptsächlich für sein Tun verantwortlich sein kann - das liegt in der Natur der Sache!).

2.  Sowohl Kinder und Hunde, die einmal zum "Opfer" wurden, können in zukünftigen Zusammentreffen neue Unfälle auslösen, was ich für einen sehr "sensiblen" Punkt halte, denn jeder weiss aus Erfahrung, wie schwer Ängste und Ablehnung, die aus schlechten Erfahrungen herrühren, wieder abgebaut werden können.

Das alles zeigt, was wir Hunde immer schon wussten:  
Das eigentliche Problem liegt bei den erwachsenen Zweibeinern und zwar sowohl denen, die wir meistens Leinenhalter nennen, weil WIR in ihren Familien/Rudeln leben, als auch bei denen, die mit uns weniger oder gar nichts "am Hut haben".
Die erstgenannte Gruppe von Zweibeinern ist dafür verantwortlich, dass wir Hunde in angemessenem Alter den Umgang mit Kindern positiv erlernen können und dass ihre eigenen Welpen den Umgang mit uns richtig erlernen, die zweite Gruppe ist dafür verantwortlich, dass ihre Welpen wissen, wie man mit fremden Hunden richtig umgeht. 
Von der ersten Gruppe Zweibeiner müsste man eigentlich gar nicht reden müssen, denn schließlich haben sie uns in ihr Rudel geholt oder wir wurden in ihrem Rudel geboren und sie sollten sich schon vorher viele, viele Gedanken und sich schlau gemacht haben, auch wenn sie keine eigenen Kinder haben. 
Aber leider ist das nicht immer so!!!
Die zweite Gruppe Zweibeiner sollte sich eigentlich ebenfalls schlau gemacht haben, denn sie bringen ihren Welpen/Kindern schließlich auch die Regeln des Straßenverkehrs bei, auch wenn sie selber kein Auto oder Fahrrad fahren, oder dass man in der Natur nicht alles essen kann, weil es giftig sein könnte, auch wenn in ihrem eigenen Revier keine Giftpflanze wächst!
Aber leider ist das oft nicht der Fall!!! 
Viele denken, dass es reicht, wenn ein Leinenhalter seinem Vierbeiner genügend Erziehung zukommen läßt, aber ein Hund, der schlechte Erfahrungen mit ungestümen Menschenkindern gemacht hat, hat es nicht leichter, als ein Kind, das einmal von einem Hund gezwickt oder gar gebissen wurde. 
Wenig hilfreich (und ziehmlich realitätsfern) sind auch radikale Forderungen, wie z.B. man könne die Hundehaltung am besten ja ganz verbieten oder alle Hunde am besten mit Maulkorb ausstatten. 
Autos werden auch nicht verboten, obwohl dadurch viel mehr Menschen zu Schaden kommen, als durch Mißverständnisse zwischen Zwei- und Vierbeinern. 
Elektrizität im Haushalt wird auch nicht abgeschaftt, obwohl auch dabei viel mehr Kinder verletzt werden, als durch uns Vierbeiner! 
Giftige Pflanzen werden auch nicht ausgerottet, sonder die Kinder lernen, nicht alles in den Mund zu stecken.
Tatsache ist doch schließlich: Wir Hunde leben schon viele tausend Jahre bei euch Menschen und viele von uns ertragen eine erstaunliche Menge ungerechter und/oder nicht artgerechter Behandlung, ohne jemals "auffällig" zu werden, denn schließlich haben sich unsere Vorfahren euch vor einigen tausend Jahren als Lebensgefährten ausgesucht und nicht umgekehrt und versuchen immer euch Menschen positiv zu sehen. 
Und in diesen einigen tausend Jahren sind wir meines Wissens nach auch so ziemlich die einzigen Lebewesen geblieben, die das getan haben und die euch nach so vielen Jahren immer noch mit diesem unvergleichlichen "Dackelblick" anschauen, oder liege ich da etwa falsch??
Also ein Apell an alle Zweibeiner, auch die, die uns hassen:
Nehmt endlich eure Verantwortung wahr, die ihr habt und sorgt für die, die von euch abhängig sind, nämlich uns und eure Kinder, dann könnten wir zusammen das beste Team der Welt abgeben, so wie ich das, Dank meiner Züchterin, die sich so viel Mühe mit "ihrem" Nachwuchs gegeben hat und dank meiner Familie, die das Mini-Frauchen vom ersten Tag an mit zur Hundeschule (zu einer guten Hundeschule!!!) geschleppt hat, auch habe!

Zur Belohnung für's lange Durchhalten, hier noch ein kleines Fotoalbum von meinen ersten Tagen in meiner Familie:
http://meinirishterrier.jalbum.net/Der%20Einzug%20bei%20meiner%20Familie/

Zum Schluss noch zwei nette und informative Links zum Thema:
Der erste beschäftigt sich mit den Voraussetzungen für ein gutes Gelingen der Kind-Hund-Beziehung und stammt aus einer Sendung des WDR vom 20.03.2011 (ist also noch superfrisch!!!):


Der zweite ergänzt die Bücherliste und Projektliste der Vortage auf sehr interessante Weise, da er sich mit einer "Zielgruppe" beschäftigt, die in den meisten Fällen schlechter wegkommt, da andere Programme schon mehr Verständnis erfordern, nämlich mit 3-6-jährigen Kindern (da gilt im Prinzip übrigens das Gleiche, wie für uns Vierbeiner: In jungen Jahren/Wochen lernt sich leichter!):

(Artikel aus dem Gießener Anzeiger, vom 18.12.2010)
oder:

Vielleicht hält der Eine oder Andere die Sache für wichtig genug, sie seinerseits zu verlinken, z.B. den Kategorie-Link "Kinder und Hunde" mit dem eigenen Facebook-Account oder anderswo. (Dazu gibt es im grauen Kästchen unten auch einen Button)
Denn auch darin sind sich die meisten Kommentare einig:
Nur wenn die Diskussion weit gestreut wird, stößt jeder mal mit der Nase darauf und macht sich Gedanken!

LG, Eure Enya



Kommentare:

  1. Das ist leider kein Thema für mich. In unserem zu Hause gibt es keine Kinder. Aber ich habe sie trotzdem alle gern.

    Liebes WUUUH
    Sally

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  2. Hi Sally,
    wenn du alle Kinder magst, haben deine Zweibeiner ja wohl trotzdem alles richtig gemacht! Denn kein Hund kann Kindern völlig aus dem Weg gehen - irgendwann treffen wir zwangsläufig aufeinander, besser MAN macht sich vorher Gedanken.
    LG, Enya

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  3. Servus,
    es ist leider nicht einfach bereits begangene Fehler wieder aufzuarbeiten. Aber wir geben nicht auf.
    Ich verfolge deine Beiträge sehr interessiert - wobei das Ärgerliche für mich persönlich ja ist dass ich zwar über das Problem vorher schon Bescheid wusste, es aber trotzdem total unterschätzt habe.

    LG,
    Klarissa und LISSA die kleine Kinder meistens gruhuselig findet...

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  4. Ich denke, dass ist immer am schwierigsten, negative Erfahrungen wieder loszuwerden - jeder kennt das von sich selbst. Aber daran zu arbeiten und vielleicht so viele positive Erfahrungen zu bereiten, wie eben möglich (was in punkto Kinder gar nicht so einfach ist) ist sicher der richtige Weg!
    Lg, enya

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  5. Ich habe viele zweibeinige kleine Freunde. Es ist toll mit ihnen zu toben. Aber Mama passt immer auf, obwohl ich ganz lieb mit ihnen bin.
    Bisher habe ich nur gute Erfahrungen mit ihnen gemacht.
    LG
    Mischka

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  6. Hallo Enya,
    das sind sehr interessante Betrachtungen und Anregungen, die Du da niedergeschrieben hast. Da gibt es ja unterschiedliche Aspekte, die es da zu beleuchten gilt. Es gibt Familien mit Kindern, die "auf den Hund kommen"; Familien mit Hund(en), die Zuwachs kriegen; Menschen, die Hunde einfach lieben, sich aber aus den verschiedensten Gründen keinen halten können und leider auch solche, die auf Teufel komm´raus Hunde in ihrer Wohnung "horten", ohne sich Gedanken zu machen, dass das mit artgerechter Haltung nicht das Mindeste zu tun hat und leider auch Menschen, die Hunde als Waffenersatz halten. Die Aufzählung kann sicher beliebig erweitert werden - "Hunde und Kinder", in welcher Reihenfolge auch immer, ist wichtig und sollte entsprechend beleuchtet werden. Klasse gemacht. Liebe Grüße purzelbaum

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  7. Ein sehr interessanter Bericht. Wir gehen Kindern, so gut es geht, aus dem Weg. Das hektische Gerenne ist nichts für uns. Wir ziehen uns zurück wenn Kinderbesuch da ist. Frauchen versteht das und hat immer ein extra gutes Plätzchen für uns.
    Liebe wauzis von Emma und Lotte

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  8. Jedem Hundebesitzer müsste einfach die Leine weggenommen werden. Dann entscheidet sich, wie stark wirklich die mentale Leine funktioniert. Wie stark ist das Vertrauen zum Mensch und die Bindung.
    Die Unfälle, gern einseitig als Hetze in der BLOND genutzt, geschehen fast immer aus blanker Unwissenheit heraus. Die Menschenkinder sitzen Jahrzehnte auf der Schulbank, lernen aber nicht eine Minute etwas zwischen der Kommunikation zwischen Mensch und Hund.
    Auch wir Hunde müssen von Beginn an Kinder kennenlernen! „Was der Hund nicht kennt, wir ausgebellt“ – ne alte Bauerhunde-Regel.
    Liebe Grüße
    Dog Sammy

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  9. Hallo violett,
    es ist immer schön zu hören, dass die meisten Hunde ganz prima mit Kindern auskommen; aber selbstverständlch ist sowas wohl nicht. Zu Beginn einer solchen Freundschaft muss es eben immer einen erwachsenen Zweibeiner als Vermittler geben.
    LG, Enya

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  10. Hallo purzelbaum,
    ja es gibt tausend Facetten zu diesem Thema und eigentlich verdient es jede einzelne gesondert betrachtet zu werden. Keine Ahnung, ob ich da im Laufe der Zeit noch "nachlegen" kann.
    LG, Enya

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  11. Hallo Emma,
    richtig macht das euer Frauchen! Es ist eben so: Kinder sind anders, als erwachsene Zweibeiner und sind nicht jedem Hund geheuer. Schön wenn euch euer Frauchen nicht einfach wegsperrt, wenn Kinder da sind, sondern euch einen besonderen und ruhigen Platz spendiert. (Sonst wär's ja auch 'ne Strafe für etwas, was ihr garnicht falsch gemacht habt) In einigem Abstand könnt ihr vielleicht zunächst einmal nur das wilde Treiben beobachten und wenn euer Frauchen auch "Vorzeigekinder" kennt, die euch vernünftig entgegen kommen, wird vielleicht auf Dauer doch noch sowas wie eine gegenseitige Duldung oder sogar winzig kleine Freundschaft daraus...
    LG, Enya

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  12. Hallo Sammy,
    recht hast du. Das wäre natürlich ideal, aber leider gibt es auf beiden Seiten immer wieder Ignoranten, die sich einfach nicht damit beschäftigen wollen. Aber eine Beschäftigung mit dem Thema in Kindergarten und Schulen müsste sich doch einrichten lassen, schließlich gibt es auch in jeder Schule Übungen zum Fahrradführerschein für die Kinder, um Unfälle im Verkehr zu vermeiden. dann würde die nächste Generation vielleicht etwas besser dastehen.
    LG, Enya

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  13. Hi Enya,
    ich finde es ganz toll, dass du hier so ausführlich darüber schreibst.
    Wir haben den Umgang mit Kindern schon als Welpen gelernt und Heidi's Enkel auch rechtzeitig den Umgang mit Hunden. Hier ist zum Glück alles paletti.
    Liebes Wuffi Isi

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  14. Hallo Isi,
    schön, dass es auch bei euch so gut mit Kindern klappt und wieder scheint zu gelten: "Früh übt sich (am besten)..."
    LG; Enya

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  15. Es sollte einfach in jeder Schule in den Lehrplan aufgenommen werden, wie der richtige Umgang mit Hunden ist, das entbindet aber nicht die Eltern davon, es auch regelmässig mit ihren Kindern zu üben. Wie man eine Strasse überquert wird ja auch geübt. Problem ist halt, dass hundeängstliche Eltern das fast immer an ihre Kinder weiter geben :-(

    Wüffchen
    Hoshi

    PS: deine Links zu deinem Blog sind in den Kommentaren bei uns immer falsch :-)

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  16. Toller Artikel!

    liebes Wuff,
    Dixie

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